Schneiderin„Was macht eigentlich ‚Sahana‘?“ Fragen wie diese zum aktuellen Stand der Flutopferhilfe für Sri Lanka hört Rajah Wirasekara, Sprecher des von ihm gegründeten Fördervereins, der auf Singhalesisch „Unterstützung“ oder „Befreiung“ heißt, immer wieder. Noch im vergangenen Jahr hatte der selbst aus Sri Lanka stammende Heeßer auf zwei Audio/Video-Präsentationen in Bad Eilsen und in Verden an der Aller über den Stand des Projekts informiert; drei Mitglieder des „Sahana“-Vorstands hatten sich zuvor die Dörfer, die mit Spendengeld aus Schaumburg wieder aufgebaut werden, angesehen. Diese waren am 26. Dezember 2004 von einem Tsunami im Gefolge eines Erdbebens verwüstet worden; das Beben vor Sumatra war mit einer Stärke von 9,1 und einer freigesetzten Energie von rund 475 Megatonnen TNT das drittstärkste zum damaligen Zeitpunkt aufgezeichnete Beben in der Geschichte.

Die Behörden gehen allein auf Sri Lanka von etwa 31 000 bis 38 000 Opfern aus. Mehr als  70 000 Häuser wurden von den Wassermassen weggeschwemmt, weitere 35 000 schwer beschädigt.

„Eine solche Präsentation“, sagt Wirasekara, „wird es in diesem Jahr nicht geben.“. Was es gibt – das sind dennoch viele Neuigkeiten aus der einstigen Katastrophenregion. So ist das unter dem Leitmotto „Zukunft geben und Hoffnung schenken“ mit sieben Kindern im Jahre 2008 ins Leben gerufene Schulstipendienprojekt gewachsen. „Seit Januar dieses Jahres betreuen wir 65 Schulkinder im Alter von fünf bis 18 Jahren; darunter sind bis zu 60 Prozent Mädchen“, berichtet der „Sahana“-Sprecher. Sie werden von 48 Patinnen und Paten aus sechs Ländern gesponsert, darunter sind elf Paten aus Schaumburg. Das Projekt finde großen Zuspruch. Deshalb“, so Wirasekara, „führen wir für diejenigen, die sich für eine Patenschaft interessieren, eine Warteliste.“ Durch die Übernahme von Stipendien entlasten die Sponsoren die Eltern finanziell, sodass diese auch andere Wünsche erfüllen können. „Die Eltern von zwei unserer Stipendiaten haben zum Beispiel angefangen, ihre jeweiligen aus Lehm erbauten Wohnhäuser zu vergrößern“, weiß der Heeßer.

Der ins Auge gefasste Wiederaufbau des Gebäudes der Ethikschule konnte dagegen noch nicht vollendet werden. „Durch die fehlende Infrastruktur im Bereich des Projektdorfes Miyagala im ärmsten Bezirk Sri Lankas gibt es auch keine Straße, die für Lastwagen geeignet ist, die das Baumaterial zur Baustelle karren müssen“, so Wirasekara. Problematisch werde das besonders während der Monsunregenperiode, weil die letzten sieben Kilometer der Strecke noch unbefestigt seien und sturzbachartige Regenströme den Weg unterspült und Gräben hinterlassen hätten, die immer breiter, länger und tiefer würden.

Der „Sahana“-Sprecher: „Um den Fortschritt aber nicht dem Zufall zu überlassen, haben Gemeindemitglieder Zementsäcke auf dem Rücken getragen, sodass der Estrich Ende 2011 zementiert werden konnte.“ Der Fortschritt sei im Vergleich zu deutschen Verhältnissen aber „sehr langsam“; nur im Schneckentempo gehe es vorwärts. Die folgenden Bauarbeiten hat „Sahana“ derzeit noch auf der Agenda: Regenrinnen fixieren, Wände streichen, Türen und Fenster mit tropenfester Lackschicht versehen, Schulmobiliar beschaffen.

Wirasekara: „Von dem Stipendiengeld ermöglichen wir die Anfertigung einer Schuluniform pro Kind und Jahr. Dafür machen sich die Eltern mit dem Zögling zu Fuß auf den unbefestigten und sieben Kilometer langen Weg und fahren dann mit dem Bus zum nächstgelegenen Schneidergeschäft, das etwa 15 Kilometer entfernt liegt.“ Zum Anprobieren und Abholen der Uniform müssen sie mindestens noch einmal hin – „eine ziemlich zeitaufwendige Prozedur“, befindet der „Sahana“-Sprecher. Die will der Hilfsverein jetzt vereinfachen: Er möchte eine junge Frau aus dem Dorf, die bereits einen Nähkursus besucht hat, als Dorfschneiderin ausstatten. Zuvor wird „Sahana“ für die Frau noch ein Praktikum „einfädeln“, damit sie sich das Handwerk aneignen kann.

„Last, but not least“, so der Heeßer, „wollen wir einen zentralen Trinkwasserbrunnen graben lassen sowie für unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten einen gemeinsamen Wochenendausflug organisieren, um sie so für die Außenwelt sensibler zu machen.“

Spendenkonto:

„Sahana“-Förderverein, Deutsche Bank, Minden, BLZ: 490 700 28, Konto-Nummer: 296 9798 00. Der Verein dient steuerbegünstigten mildtätigen Zwecken und ist als gemeinnützig anerkannt. Vorstand und Mitglieder des Vereins sind ehrenamtlich tätig und erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Reise- und Übernachtungskosten sowie Spesen werden von den Mitgliedern getragen. Jeder kann Mitglied werden; Beiträge werden nicht erhoben.

Zum Zeitungsartikel: So wird Tsunami-Opfern geholfen - Schaumburg-Lippische Landeszeitung; 05.06.2012

Go to top